Pre-Seed-Runde einsammeln: Leitfaden für Gründer

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Du hast eine Idee oder einen ersten Prototyp und willst zum ersten Mal externes Kapital einsammeln? Dann stehen drei Fragen im Raum: Was musst du vorher belegen, wie viel Geld brauchst du wirklich, und wie kommst du von der ersten Nachricht an einen Investor bis zum unterschriebenen Vertrag? Dieser Leitfaden führt dich in genau dieser Reihenfolge durch die Pre-Seed-Finanzierung. Alle Zahlen im Text sind Beispiele oder Richtwerte aus Ratgebern, keine Marktangaben für Deutschland. Der Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.

Das Wichtigste in Kürze
  • Pre-Seed ist die Phase, in der du Belege für die nächste Runde erzeugst.
  • Den Kapitalbedarf leitest du rückwärts aus dem Meilenstein der Folgerunde her, plus Puffer für Verzögerungen.
  • Ein Richtwert aus einem US-Ratgeber sind 12 bis 18 Monate Runway; er ist keine Marktregel.
  • Der SAFE ist ein US-Vertragsmuster; vor der Nutzung ist eine rechtliche Prüfung nötig.

Was ist eine Pre-Seed-Runde?

Eine Pre-Seed-Runde ist die erste externe Finanzierungsphase eines Startups. Sie liegt zwischen der Idee bzw. dem Prototyp und der späteren Seed-Runde. Das Geld dient nicht dazu, ein fertiges Geschäft zu skalieren, sondern dazu, Belege zu erzeugen: Gibt es echte Nachfrage? Funktioniert das Produkt für eine klar benannte Zielgruppe? Genau diese Belege tragen später die nächste Runde.

Abzugrenzen ist die Pre-Seed-Runde von Eigenmitteln (Erspartes, Einnahmen aus Nebenprojekten) und von Förderprogrammen. Beides kann sie ergänzen oder zeitweise ersetzen. Welche Förderungen für dein Vorhaben infrage kommen, klärst du am besten bei einer lokalen Gründerberatung.

Welche Belege Investoren vor der Runde sehen wollen

Pre-Seed-Investoren bewerten selten Umsätze, sondern erste Signale. Ein ratgeberübliches Beispiel für solche Nachfragebelege sind ein Prototyp, eine Warteliste oder ein kleiner Pilot mit echten Nutzern. Wichtig ist nicht die Größe, sondern dass du die Ergebnisse nachvollziehbar dokumentierst.

Prüfe vor dem ersten Gespräch diese Checkliste:

Gründerin skizziert an einem Holztisch die erste Finanzierungsphase ihres Startups
  • Das Problem ist mit echten Gesprächen oder Tests validiert, nicht nur vermutet.
  • Die Zielgruppe ist konkret benannt (wer genau hat das Problem?).
  • Erste Reaktionen von Nutzern oder Kunden sind festgehalten, etwa Wartelisten-Anmeldungen, Pilot-Feedback oder Gesprächsnotizen.
  • Du kannst erklären, welcher Beleg noch fehlt und wie du ihn schaffen willst.

Was heute noch fehlt, ist kein Ausschlusskriterium. Es wird zur Aufgabe, die du in der Mittelverwendung der Runde ausdrücklich benennst.

Wie viel Kapital brauchst du? Den Betrag rückwärts herleiten

Statt eine runde Wunschsumme zu nennen, rechnest du rückwärts. Das ist die Methode, die ein Ratgeber von Foundersbase empfiehlt:

Zwei Gründer testen einen Prototyp mit einem Nutzer und notieren das Feedback
  1. Lege fest, welchen Meilenstein du bis zur Folgerunde erreichen willst (zum Beispiel einen funktionierenden Pilot mit ersten zahlenden Nutzern).
  2. Schätze, was dieser Meilenstein an Kosten verursacht und wie lange er dauert.
  3. Rechne einen Puffer für Verzögerungen ein, denn Pläne dauern fast immer länger.

Als Planungshorizont nennt dieser Ratgeber 12 bis 18 Monate Runway. Runway bezeichnet die Zeit, die dein Geld bei den geplanten monatlichen Ausgaben reicht. Wichtig: Das ist ein Richtwert eines Ratgebers und keine Marktregel. Er hängt von Branche, Team und Kosten ab.

Rechner, Notizen und Kalender auf einem Schreibtisch zur Berechnung des Kapitalbedarfs

Fiktives Beispiel, keine Marktangabe: Ein Team aus drei Personen plant monatliche Gesamtkosten von 20.000 Euro (Gehälter, Tools, Pilotkosten). Für 15 Monate Runway ergibt das 300.000 Euro. Ein Puffer von 20 Prozent für Verzögerungen (60.000 Euro) führt zu rund 360.000 Euro. Dieser Betrag ist nur dann sinnvoll, wenn er den geplanten Meilenstein tatsächlich abdeckt. Rechne mit deinen eigenen Zahlen.

Wer investiert in der Pre-Seed-Phase?

In dieser frühen Phase kommen unterschiedliche Geldgeber infrage. Die folgende Tabelle ist eine qualitative Orientierung ohne Zahlen und ohne Namen einzelner Investoren.

Investorentyp Typische Rolle Worauf du achten solltest
Business Angels Private Geldgeber, oft mit eigener Gründungs- oder Branchenerfahrung Passen Erfahrung und Netzwerk zu deinem Markt? Wie viel Zeit können sie einbringen?
Frühe Fonds Professionelle Investoren, die auf frühe Phasen spezialisiert sind Investieren sie in deine Branche und Phase? Welche Erwartungen haben sie an Folgerunden?
Gründernetzwerke Zugang zu Kontakten, Mentoring und manchmal zu Kapital Was erhältst du konkret, und welche Gegenleistung wird erwartet?
Familie und Freunde Vertrauensbasiertes Kapital aus dem persönlichen Umfeld Klare schriftliche Vereinbarungen treffen, damit die Beziehung nicht leidet.
Gründer im Gespräch mit einem erfahrenen Geldgeber in einem Café

Pitch-Deck, Kurzprofil und Investorenliste vorbereiten

Bevor du das erste Gespräch führst, brauchst du drei Dinge. Sie entsprechen den Empfehlungen des genannten Foundersbase-Ratgebers.

  • Ein Pitch-Deck, das ohne Vortrag funktioniert. Wer es allein liest, soll verstehen, welches Problem du löst, für wen, mit welchem Beleg und wofür du das Geld brauchst.
  • Eine kurze Unternehmenszusammenfassung. Wenige Sätze, die du in der ersten Nachricht verwenden kannst.
  • Eine Investorenliste. Lege sie an und ordne sie nach Passung: Branche, Phase, bisherige Beteiligungen, gemeinsame Kontakte. Eine feste Listengröße gibt es nicht; entscheidend ist die Passung, nicht die Menge.

Der Prozess: Ansprache und Gespräche führen

Der Ablauf besteht grob aus Vorbereitung, ersten Kontakten, Folgegesprächen, Zusage und Vertrag. Führe die Gespräche möglichst parallel. So gerät der Prozess nicht ins Stocken, und du siehst früh, wer ernsthaftes Interesse zeigt.

Pitch-Deck auf dem Laptop neben einer handgeschriebenen Investorenliste

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Checkliste für die erste Nachricht an einen Investor:

  • Persönlicher Bezug: Warum schreibst du genau diese Person oder diesen Fonds an?
  • Ein bis zwei Sätze zu Problem, Zielgruppe und deinem bisherigen Beleg.
  • Das Vorhaben der Runde: Meilenstein und grober Bedarf, ohne Druck.
  • Das Deck als Anhang oder Link und ein klarer, kleiner nächster Schritt (zum Beispiel ein kurzes Gespräch).

SAFE, Wandeldarlehen oder Priced Round?

Der SAFE (Simple Agreement for Future Equity) ist ein Vertragsmuster von Y Combinator. Investoren zahlen Geld ein und erhalten dafür das Recht auf spätere Anteile. Vor der Umwandlung ist der SAFE selbst keine Beteiligung am Unternehmen.

Gründerin schreibt am Laptop eine kurze Nachricht an einen Investor

Wichtig für dich: Der SAFE ist ein US-Vertragsmuster. Er ist nicht automatisch auf deutsche Gesellschaftsformen übertragbar, und er ist kein deutscher Standard. Als Alternativen werden häufig das Wandeldarlehen und die Priced Round (eine Runde mit festgelegter Unternehmensbewertung) genannt. Welches Instrument zu deiner Gesellschaft und deiner Situation passt, kann nur eine Anwältin oder ein Anwalt mit Blick auf Sitz und Rechtsform klären. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.

Verwässerung berechnen: Beispiel mit einer Cap

Verwässerung bedeutet, dass dein Anteil am Unternehmen sinkt, wenn neue Anteile ausgegeben werden. Die Cap ist eine Obergrenze für die Bewertung, zu der ein SAFE in Anteile umgewandelt wird. Im Beispiel des YC-Post-Money-SAFE gilt:

Verkaufter Anteil = Investitionssumme ÷ Bewertungs-Cap

Gründer und Anwältin besprechen einen Vertragsentwurf am Konferenztisch

Beispiel aus dem US-Muster: 1 Mio. US-Dollar bei einer Cap von 6,7 Mio. US-Dollar entsprechen rund 15 Prozent. Das ist ein Rechenbeispiel zu einem US-Vertragsmuster und keine übliche Pre-Seed-Bedingung.

Beachte außerdem: Jede weitere Runde verändert deine Cap Table, also die Übersicht, wem wie viele Anteile am Unternehmen gehören. Bevor du unterschreibst, lass die Folgen für dich und das Team rechtlich und rechnerisch prüfen.

Unterlagen vor dem Vertragsabschluss prüfen

Bevor Geld fließt, schaut ein Investor in deine Unterlagen. Dieses Prüfen heißt Due Diligence. Je geordneter du bist, desto reibungsloser läuft der Abschluss. Eine Praxisunterlage der Kanzlei Lowenstein Sandler nennt dafür unter anderem Finanzierungsplan und Mittelverwendung, Gesellschafts- und Anteilsunterlagen sowie Prüfmaterial und betont die Notwendigkeit rechtlicher Prüfung.

Tortendiagramm auf Papier zeigt die Aufteilung der Unternehmensanteile
  • Gesellschaftsunterlagen der Firma sind vollständig und aktuell.
  • Die Anteilsverteilung unter den Gründern ist dokumentiert.
  • Rechte am geistigen Eigentum (zum Beispiel Software, Marke, Design) liegen nachweislich beim Unternehmen.
  • Ein Mittelverwendungsplan zeigt, wofür das Geld bis zum nächsten Meilenstein eingesetzt wird.
  • Rechtliche Prüfung ist eingeplant, bevor du den Vertrag unterschreibst.

Für deine konkrete Situation wende dich an eine Anwältin oder einen Anwalt und an eine lokale Gründerberatung. Solche staatlichen Beratungsangebote gibt es in verschiedenen Ländern; ein Beispiel aus Korea sind Schulungen und Beratung von K-Startup zu Investitionsakquise und Investitionsverträgen. Für deutsche Gründer sind das keine Belege, sondern nur ein Beispiel dafür, dass es solche Angebote gibt.

Ordner und Dokumente werden für die Prüfung vor dem Vertragsabschluss sortiert

Häufige Fehler und FAQ

Typische Fehler

  • Einen Betrag nennen, ohne ihn aus einem Meilenstein herzuleiten.
  • Ohne dokumentierte Belege in die Gespräche gehen.
  • Unterlagen ungeordnet lassen und erst unter Zeitdruck sortieren.
  • Investoren ansprechen, ohne auf Passung zu achten.
  • Einen Vertrag unterschreiben, ohne ihn rechtlich prüfen zu lassen.

Wie viel sollte ich einsammeln?

So viel, wie du für den nächsten Meilenstein samt Puffer brauchst. Rechne rückwärts statt eine Wunschsumme zu nennen. Der Richtwert von 12 bis 18 Monaten Runway aus einem Ratgeber ist nur eine Orientierung.

Brauche ich einen SAFE?

Nicht zwingend. Der SAFE ist ein US-Vertragsmuster. Ob er oder eine Alternative zu deiner Gesellschaft passt, klärst du mit rechtlicher Beratung.

Gründerteam bespricht Fehler und offene Fragen an einem Whiteboard

Was gehört ins Pitch-Deck?

Alles, was nötig ist, damit das Deck ohne Vortrag verständlich ist: Problem, Zielgruppe, bisherige Belege, geplanter Meilenstein und Mittelverwendung.

Wann sollte ich Anwälte einbeziehen?

Spätestens, bevor du ein Term Sheet oder einen Vertrag unterschreibst, besser schon bei der Wahl des Instruments und beim Ordnen der Gesellschaftsunterlagen.

Fazit

Eine Pre-Seed-Runde gelingt, wenn Meilenstein, Betrag und Belege zusammenpassen. Beginne mit einem einzigen Satz: „Bis zum Datum X erreichen wir Meilenstein Y und brauchen dafür Z Euro.“ Alles Weitere (Deck, Liste, Ansprache, Vertrag) baut darauf auf.

Gehe jetzt deine Vorbereitungs-Checkliste durch und formuliere deinen Meilenstein-Satz.

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Quelle: Atovia (Atovia). https://atovia.kr

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